Riga Tag 2 - Zweieinhalb Museen und Eiseskälte

Ok, vorweggenommen, Eiseskälte ist eventuell ein wenig übertrieben. Aber der Nieselregen und der Wind machten den heutigen Tag zu einer eher frischen Angelenheit. Und während unsere Liebsten zu Hause bei über 30° schwitzten, stapften wir bei 12° Grad durch Riga.

Der Tag ging nach dem Frühstück (dieses Mal war der Kaffee etwas besser) kurz vor 10Uhr für los. Wetterbedingt wollten wir heute wieder ein paar Museen ansteuern, das erste auf der Liste war das Museum of Photography. Auf dem Weg dorthin marschierten wir an den "Drei Brüdern" vorbei und machten das obligatorische Touristenfoto. Ich habe allerdings die Hoffnung, all die bunten Häuser in der Altstadt auch noch bei Sonnenschein fotografieren zu können. 


Auch das Schwedentor lag auf dem Weg. Dabei handelt es sich um das 1698 gebaute und letzte verbliebene Tor der alten Stadtmauer. Wie gesagt, es war kein Fotowetter...


Unfertige Mauern trifft man auch ab und an.


Aber wir fanden auch schöne Treppenhäuser, so wie dieses, das wir auf der Flucht vor dem Regen entdeckt haben.



Im Vorbeigehen fiel uns dieses dekorierte Gebäude auf (Coats Of Arms Of Latvian Municipalities Mural):


Weiter gings via Basteiberg (ein schöner Park) bis zur Masklas Akademie, welche das Museum of Photography beinhalten sollte.


Leider ist dort zur Zeit keine Ausstellung und das Museum selber besteht aus ein paar wenigen kleinen Ausstellungstücken. Wir waren da also nach 5min wieder draussen. Der Eingangsbereich und das Gebäude selber waren aber noch ein oder zwei Fotos wert.








Somit waren wir schnell auf dem Weg zum nächsten Punkt auf der Tagesordnung: das Pauls-Stradins-Museum für Medizingeschichte. Von aussen wundervoll dekoriert:


Von diesem Museum waren wir sehr positiv überrascht. Die meisten Texte waren auch auf englisch vorhanden (und wenn nicht, konnten wir uns mit Google Lens aushelfen). Die Ausstellung geht über 3 Etagen und die vielen Räume sind thematisch gegliedert und liebevoll gestaltet. So interessant, amüsant und spannend es auch war, ich ging schlussendlich mit einem leicht depressiven Gefühl dort raus. Vieles konnte und wollte ich nicht fotografieren. Vor allem die Ausstellungsstücke mit den Tierversuchen waren für mich eine Herausforderung. Hier einige leichter verdauliche Impressionen: 








Auch die Raumfahrt hatte seinen Platz:




Ich kann gar nicht sagen, wie lange wir im Museum waren, auf alle Fälle hatten wir, trotz der Exponate, schon ordentlich Hunger. Im Restaurant Portofino fanden wir dann auch beide etwas Leckeres. Auf die sprachlichen Verständigungsschwierigkeiten beim Vermischen von italienisch und englisch gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein (ihr wisst schon, Persönlichkeitsschutz und so). 
Frisch gestärkt verliessen wir das Restaurant, nur um uns im windigen Nieselregen wieder zu finden. Doch wie der Zufall es wollte, waren wir bereits in der Nähe des nächsten Museums (ok, ich gebs zu, es war geplant). An einem Teil der Berliner Mauer und imposanten Häuserfronten vorbei, spazierten wir zum Anatomiemuseum.



Dieses war für mich das Highlight des Tages. Eine wunderschön, respektvoll kuratierte Sammlung, angeschrieben in 3 Sprachen und sogar interaktiv gestaltet (unter anderem mit einer App für mehr Informationen zu ausgesuchten Exponaten und einem videogesteuerten Skelett). Im Erdgeschoss waren vor allem "normale" (also einigermassen) anatomische Präparate zu sehen. Im Untergeschoss herrschte Fotografieverbot - dort waren die weniger gut verdaubaren Exponate ausgestellt: Missbildungen - Embrios - Babies -etc. Man kann es sich vorstellen. Aber wiederum höchst interessant und lehrreich. 






So schön es auch war, irgendwann hatten wir alles im Museum gesehen und mussten wohl oder übel wieder in die kalte Nässe (oder nasse Kälte?). Auf der Suche nach einer weiteren Indooraktivität, gingen wir zurück Richtung Altstadt. Dabei wurden wir vom plötzlich stark einsetzenden Regen zu einem Kaffeehalt gezwungen. Eine kleine italienische Bar beherbergte uns und wir konnten unsere klammen Finger etwas aufwärmen. Die Bar bleibt mir allerdings ansonsten nicht sehr gut in Erinnerung, nicht nur wegen der etwas kalten und lieblosen Einrichtung. Meine Fotokamera, die gemütlich neben mir auf der Bank lag, entschied sich plötzlich der Erdanziehungskraft zu folgen und landete mit einem unschönen Geräusch auf dem Boden. F***. Aber zu meiner Erleichterung funktionierte sie noch. Also alles gut. 
Wir wagten uns anschliessend wieder ins Freie und gingen zur Geburtskathedrale. Dabei überquerten wir den Platz, wo das Freiheitsdenkmal imposant in die Höhe ragt. Das war dann der Moment, wo ich gemerkt habe, dass die Kamera doch Schaden genommen hatte! Der Zoomring meines Objektivs liess sich nicht mehr bewegen. F***. Nun, wenigstens konnte ich noch abdrücken und aus meinem 15-30mm Zoom wurde kurzerhand ein 22mm Festobjektiv.





Wie gesagt: kein Fotowetter...
An der Geburtskathedrale angekommen, waren wir schon etwas beeindruckt von ihrem Äusseren. Und wollten natürlich auch wissen, wie es um ihre innere Schönheit steht. Leider blieb uns diese Erkenntnis verwehrt, denn am Eingang prangte das Schild "closed". Und dabei hatte ich die Öffnungszeiten im vorhinein noch überprüft. Wir waren etwas enttäuscht und zogen nach einer Umrundung wieder von dannen.


Was nun? Ich fand dank Google Maps gleich in der Nähe eine süsse kleine Kultur-Bar (Masa Galerie), in der wir die unkonventionelle Ausstellung "Monster Girls" von Siins anschauen konnten. Den anschliessenden Drink in der Bar hatten wir nun verdient. Jedoch machte uns die Kellnerin darauf aufmerksam, dass wir gerne bleiben dürfen, aber in einer halben Stunde starte ein Comedy-Programm. Auf Russisch. Aber wie gesagt, wir dürften gerne bleiben. Nun ja, wir haben uns dann ziemlich schnell wieder aus dem Staub gemacht. Aber die Bar ist auf jeden Fall empfehlenswert.


Nun war meine Energie auf dem Tiefpunkt und das Hotelzimmer lockte. Auf dem Rückweg merkten wir, dass das Wochenende langsam aber sicher näher rückte. Trotz des garstigen Wetters war viel Trubel, die Beizen öffneten, die Englischen Touristen feierten, die Seniorenreisegruppe nahm die gesamte Strassenbreite ein... Rigas Nachtleben erwachte. Leider wollte mein Gspänli nicht mit in die Karaokebar und somit blieb mir auch nichts anderes mehr übrig, als zurück ins Hotel zu gehen und mich an den heutigen Blogbeitrag zu machen. 

Wobei, bevor ich zu schreiben begonnen habe, habe ich kurzerhand noch mein Objektiv geflickt - selbst ist die Frau!

Und nun soll es endlich besser Wetter werden - wir freuen uns auf die Sonne morgen!


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